Tagesanzeiger, 23. Mai 2013, GALLERY
Junge Schweizer Kunst – Folge 6

„Auch in der sechsten Folge unserer Serie stellen wir vier junge Schweizer Künstler vor, 
welche schon öfters auf sich aufmerksam gemacht haben.“ 
(Siehe Reportage links, Text: Seraina von Laer, Foto: Maximilian De Vree)




NLZ, 23. Mai 2013
Astronaut im Innern der Kunst

„Das Beobachten ist auch Karin Lustenbergers Thema: Sie fuhr mit dem Citytrain durch Luzern und hielt im Video fest, was die Fahrt sehen 
lässt, und wie die durchfahrenden Beobachter von den Passanten in den Strassen beobachtet werden. Das Video spielt sie im Untergeschoss 
der Kunsthalle ab, lässt es dort von einer Minikamera aufnehmen und auf einen Monitorenstern über dem Kunsthalleneingang übertragen 
und von aussen sehen. Unten im Kellerraum werfen hängende Spiegel Reflexe auf die Wände, ist das Video kopfüber zu sehen. 
«Ich orientierte mich an dem Reflex des Bildes im Innern des Auges», sagt die Künstlerin.“ (Urs Bugmann)


041 Kulturmagazin, Juni 2013
Wahr ist, was man wahr nimmt.

Karin Lustenberger holt mit ihrer Videoinstallation die Aussenansicht des Bourbaki ins Innere, sprich ins Untergeschoss der Kunsthalle und reflektiert das Innere wieder nach aussen... Mit der Gruppenausstellung «showroom» thematisiert die Kunsthalle ihr eigenes Format des transparenten Ausstellungsraumes und kehrt es in sein Gegenteil. Einseitige Blicke werden beim Besuch des Innenraums urch multiple Ansichten ergänzt.



Obwaldner/Nidwaldner Kulturblatt, 2011
Rückblick Stanser Musiktage 2011

Unter dem Titel SPRUDELTHEK TONIGHT mixte die Künstlerin Karin Lustenberger im Kooperationsprojekt mit dem Nidwaldner Museum verschiedene Flüssigkeiten, Brausetabletten, Gummibärchen, Salzstengeli und Farbe zu Drinks. Diese filmte sie. Ein Mikrophon im Innern des Glases verstärkte das Innenleben des Drinks. Ton und Filmaufnah- men der Drinks wurden durch die Künstlerin neu zusammengesetzt, verschoben, wieder auseinanderge- nommen und an die Wand projiziert. Die Kombination von Visuals, Sound, Aktion und einem kalten Getränk in der Hand liessen den Genuss In dieser Bar auf die Sinnesorgane Aug und Ohr erweitern.
(Renaud Gracia Fons)



ONZ Obwaldnen und Nidwalden Zeitung, 8. Mai 2011
Besucherrekord im Hauptprogramm
Musiktage für knapp 30'000 Gäste


... Ausserdem fand das musikalische Kunstprojekt «Sprudelthek tonight» sehr guten Anklang. Insbesondere die täglichen Videoperformances mit Karin Lustenberger in der Hörsehbar lösten ein beachtliches Echo aus. (pd)



Neue Luzerner Zeitung, 22. August 2011
Neue Kunst von Frauen in alten Räumen

Die Ausstellung ∞Frauenzimmer 2˛ in Alpnach belebt verlassene Räume: 20 Künstlerinnen mischen Kunst mit Alltag. Neu hinzugekommen sind neben Judith Albert und Stofer&Stofer Künstlerinnen wie Karin Lustenberger, die mit ihrer Videokamera Staub und Schmutz auf Möbeln und Gegenständen in Nahaufnahmen als visionäre Zukunftslandschaften erscheinen lässt... (Urs Bugmann)



041-Kulturmagazin, Oktober 2011
In Frauen Räumen

Karin Lustenberger machte Mikroaufnahmen vom Innern der Küchenschränken. Schmutz und Staub erinnern an den Sternenstaub ferner Galaxien. Risse und Sprünge im Mobiliar an Kraterlandschaften unbekannter Planeten. Die Künstlerin untermalt die Videoinstallation «Chuchichäschtli Galaxy" mit sphärischem Sound. (Gabriela Wild)



Ausstellungstext: Karin Lustenberger und René Fahrni, September 2011
Pavillon Tibschenhorn Luzern

Karin Lustenberger bewegt sich in ihrem künstlerischen Schaffen im Bereich Video, Audio und Performance. Organisches, Bewegtes und Flüchtiges entnimmt die Künstlerin dem Alltag und hebt es in ihren Arbeiten hervor. Sie geht intuitiv an die Materie heran und konvertiert sie mit technischem Geschick in neue Medien. Die komplexen Inszenierungen setzt sie mit Leichtigkeit und Humor in Szene. Experimente mit Möglichkeiten der bewegten Elektronik sind bei Karin Lustenberger an der Tagesordnung.

Für ihre aktuelle Arbeit hat Karin Lustenberger die Halbinsel Tribschenhorn aktivst erkundet. So hat sie mit dem Tonaufnahmegerät die Umgebung durchforstet und ist mit der Kamera auf dem Kopf durch den See geschwommen. Das aufgenommene Material hat sie anschliessend im Pavillon gesichtet und zu einer Sound- Video-Installation verarbeitet. Karin Lustenberger beschäftigte sich dabei hauptsächlich mit der Frage, wie sie mit diesem „mit Panoramadominanz gesegneten Ort“ umgehen soll. Neben den idyllischen Eindrücken werden die BesucherInnen des „Nirwana-Inferno“ (der Arbeitstitel ist eine Anspielung auf zwei Bootsnamen)mit hektischen und chaotischen Bildern bestrahlt sowie mit lauten Tönen beschallt. Die Idylle kippt in ihr Gegenteil, wird von Unangenehmem und Erschreckendem infiltriert.

Die Sound-Video-Installation nimmt den ganzen Raum ein und schluckt die BesucherInnen regelrecht. Die komplexe Inszenierung ist mit Video und Sound kombinatorisch in Szene gesetzt und verrät nicht zuletzt eine wechselseitige Sicht auf das „Postkartenidyll“ – vom Beobachtenden und dem persönlich daran Teilhabenden.



Quelle: Bruggmann, Jana (2011):
Karin Lustenberger im Interview. S. 32 - 35. In: Jana Bruggmann, Natalie Hofer (Hg.): Tribschenhorn – René Fahrni & Karin Lustenberger. Eigenverlag.

jb: Karin, du bist jetzt seit einigen Tagen aktiv auf der Halbinsel Tribschenhorn mit deiner Kamera unterwegs. Was musste diese schon alles erleiden?

kl: Die eine Kamera harrte stundenlang bei brütender Hitze auf dem Stativ aus und zoomte so in die Ferne. Für seegängige Extremsituationen wurde dann ein risikofreudigeres Kamera-Douple wasserfest verpackt.

Also einiges! Konzept des Tribenschenhorn ist es, dass neue Arbeiten vor Ort entstehen. Wie gehst du an so eine Arbeit heran, intuitiv oder bereits mit einer klaren Vorstellung?

Meine klare Vorstellung war, mich intuitiv und performativ mit Kamera- und Soundaufnahmen auf den direkten Standort einzulassen und aus diesem Prozess ein audio-visuelles System zu entwickeln. Dabei überlegte ich mir im Vorfeld mögliche Vorgehensweisen und recherchierte nach bestehenden Bezugspunkten. Schlussendlich ging ich mit Richard Wagners Biographie baden und überquerte den See.

Das Baden mit Richard Wagners Biographie musst du mir noch genauer erläutern!

In Berlin hatte ich zu diesem in Luzern omnipräsenten Namen bereits recherchiert und so wurde ich auch beim "Sonnen"-Baden in der Tribschen davon verfolgt. Gedanklich umkreisten mich Episoden des dort entstandenen musikalischen Werks Siegfried-Idyll sowie dessen dramatisch langer Schatten. Jedenfalls stellte ich mir ab und zu vor, was für Musik bei Familie Wagners Grillparty wohl heute im Jahre 2011 zu hören wäre.

Du hast also versucht, dich musikalisch wie geschichtlich mit diesem Ort zu verlinken. Allgemein lässt du den Ort Tribschenhorn sehr stark in deine Arbeit einfliessen. Versuchst du ihn zu reflektieren, umzudeuten oder geht es letztlich am ehesten um die Stimmung?

In der Auseinandersetzung damit, wie ich den gegebenen Raum in der zur Verfügung stehenden Zeit für eine künstler-ische Arbeit nutzen könnte, versuchte ich, meine Rolle im kräftigen Idyll des Tribschenhorns zu finden. Es streckte sich mir ja als Postkartenbild förmlich entgegen. Hauptsächlich hat mich dann die Frage beschäftigt, wie ich mit diesem mit Panoramadominanz gesegneten Ort umgehe. Die Symmetrie steht da klar, wenn sich zwei kreuzende Dampfschiffe mit der Flagge zu wedeln.
Auf diesen Schiffen vermischen sich Touristen mit Einheimischen. Irgendwo dazwischen war ich. Fasziniert beobachtete ich vom schwankenden Bootssteg aus das überlagerte Treiben von Booten, Menschen und Architekturen – die sonntägliche Vorstellung des persönlichen Paradieses massentauglich kombiniert und gut mit Sonnencreme versorgt.

Dem Drang folgend, gemeinsam mit der Landschaft neue und unkontrollierte Sichtweisen zu generieren, setzte ich mir eine Kamera auf den Kopf und koppelte diese Aufnahmen mit meiner eigenen Schwimm- und der Wellenbewegung des Sees.Statt mit der objektiven Haltung über
einen Ort eine Arbeit zu realisieren, war es mir wichtig, mit dem Ort zu kooperieren. Ich versuchte Tribschenhorn total zu erleben.

Das merkt man deiner Arbeit an. Als ich zwischendurch bei dir vorbeikam, hatte ich das Gefühl, du lebst hier förmlich auf! Du hast zuerst Videoarbeiten gemacht. Aus Video wurde immer mehr Installation. Wie ist es dazu gekommen?

Tagsüber war ich meist mit der Kamera und dem Ton-aufnahmegerät unterwegs und abends habe ich jeweils das entstandene Material im Pavillon gesichtet. Mit der Idee eines audio-visuellen Systems habe ich Möglichkeiten durchforscht und Verbindungen zum Raum gesucht.

Als ich das letzte Mal vorbeikam, war deine Arbeit hier geprägt von der Verknüpfung verschiedener Medien- und Sinnebenen – eine Sound-, Ton- und zugleich Objektinstallation ist entstanden. Alles war irgendwie miteinander verbunden, so brachten die Schwingungen des Lautsprechers ein Kon-glomerat an Grillrösten zum Scheppern, weil Lautsprecher und Grillröste mit einer Schnur verbunden waren. Physikalisch völlig Schlüssiges durchkreuzte dennoch alle uns bekannten Sinn-zusammenhänge, da die identifizierbare physikalische Ursache sich unseren üblichen menschlichen Wahrnehmungen entzog. Es entstand eine interessante Verschiebung.

Ich fokussierte darin das Undefinitive einer Definition. Sozusagen das Spiel im Spiel, das einem
die Freiheit ermöglicht, in gleicher Betrachtung unterschiedliche Zusam-menhänge zu generieren.


Nun hast du dich aber etwas von dieser Art von Installation verabschiedet und dafür das Videomaterial gesichtet und diese beiden Boote entdeckt, nämlich Nirwana und Inferno, die sozusagen auf dem See "herumtümpeln" und sich wohl auch gelegentlich kreuzen. Durch dieses Spiel im Spiel "machst du gewissermassen in unserem Hirn herum", schaffst neue Bezüge, die hier zugleich etwas Komisches wie Beunruhigendes haben. Du infiltrierst die Idylle, die du vorher so schön beschrieben hast.
Generell fehlt es deinen Arbeiten nicht an Humor und Witz. Warum sind dir diese Aspekte in deiner Arbeit wichtig? Wozu dienen sie?


Weiss auch nicht. Jedenfalls bilden sich meine Stirnrunzeln genauso wie meine Lachfalten.
...





Ausstellungstext: I ONCE LIVED HERE
A Public Video Art Evening in Ramallah, 2011

Artists: Bashar Haroub, Juliana Irene Smith, Benedikt Partenheimer, Monther Jawabreh,
Karin Lustenberger and Tamara Abdul Hadi

A Street parallel to the main street in Ramallah, and home to a car wash… it takes a moment or two
and then you look again. This house must have run directly through the street and now it is deconstructed, ripped open. There are no signs of life of before… before when exactly? Should someone go to the Municipality and ask them or should we simply take it as it is, a mystery for some and a history for others?

We often come across the demolition of buildings, some would say better, more modern buildings replace them and the material and structural memory vanish… Is this any different in Palestine compared to anywhere else? Is it different here, a place where Palestinian homes are constantly being bulldozed by Israelis for Settlements or for the sake of it? Is this building a symbolic public monument or rather, left there until an investor gets his hands on this valuable city center property?

The artists all have an interest in the border between public and private space in their practice. The selected videos have a strong sense of movement, slower, faster, performative movement, as one could even generically say, “ As does life.” I once lived, I am living, I am neither here nor there. (Juliana Irene Smith)




Article by Adela Yawitz in Berlin; Monday, July 30, 2012
The Heart of the Machine and the Mechanical Heart

A week later, also at LEAP, a group of young artists presented another approach to the same issue. The exhibition “Limited Limitlessness – new findings in digital primitive art” started from their collective frustration with new technologies’ instant obsoleteness. Their efforts exhibit new ways of conceiving the pressure between man and machine. As media, generative and sound art students, they face a future of ever-changing technology and the challenge of balancing their own voice with the latest machine voices around them.

This latest exhibition at LEAP, as well as in Link’s return to a machine that simulates human emotion, show their artists’ interest in being removed from their work. In the current stage of generative art, artists can easily become redundant once their machine is created and works independently. The productive struggle begins when human signals ‒ expressed by their physical bodies, or more successfully by an elusive human element ‒ are reintroduced, and fight for echoes of human presence in the final piece.




Ausstellungstext LEAP, Berlin, August 2012
Limited Limitlessness - new findings in primitive digital art

Following the utopic high of the nascent cyber age in the 1990s came a natural slump in the emotional well-being of the subjects of the digital era.  The tireless increases in speed and efficiency, ever sleeker interfaces and ever smaller devices, the spoilt children of this epoch no longer needed  to economise with time and memory as their mothers and fathers did. Plentiful memory space and processor speed, not to mention the “information” itself which is stored, duplicated and re-distributed via innumerous communication paths creates a vast horizon of possibilities which we now have at our fingertips.  Yet instead of inducing the elation expected of these bountiful resources, it seems to often stifle in its endlessness. 

Aware of the technological superiority of their computer companions, humans have begun to notice an unerring tendency, a savvy post-humanism which seeks to recompensate lost essences by favouring the indiscrete over the discrete.  At the same time, the hypocrisy is clear as the everyday dependence on our technological devices increases; a love-hate man-machine relationship. Such is the state of digital existentialism which contributes heavily to today’s first world anxieties. Techno-pornographic media arts accentuate this simultaneous fascination and disgust which presents itself as virtually unavoidable.

The exhibition “Limited Limitlessness - New findings in primitive digital art” aims to expose these internal contradictions as well as embrace that which technology cannot or does not do. Amidst the practice of sterile media art, we find ourselves both as critical recipients and as propagators thereof.  The works of the exhibition explore aspects of the artists’ own primitive urges within computer-based art.  

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